Luftfeuchtigkeit messen

Mit dem Zeitalter der Aufklärung begann auch die Naturwissenschaft im modernen Sinne. Die Erfindung präziser Instrumente erlaubte erstmals die genaue Beobachtung und Vermessung. Wie auf vielen anderen Gebieten machte die Entdeckung und Bestimmung der Wetterparameter, Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit, die Erklärung und Vorhersage von meteorologischer Phänomene möglich.

Neben der Gesamtwetterlage ist heute das Mikroklima in Wohn- und Arbeitsräumen eins der meist diskutierten Themen. Viele Menschen halten sich mehr innerhalb geschlossener Gebäude auf als außerhalb. Für die Einstellung eines gesunden Klimas sind genaue Messungen unumgänglich, weil das subjektive Befinden normalerweise erst reagiert, wenn die Werte den optimalen Bereich verlassen haben.

Methoden zur Messung

Zwei grundlegende Verfahren sind zur Ermittlung der relativen Luftfeuchtigkeit geeignet:

  • Zum Verständnis der Taupunktmethode kann die Seite Relative Luftfeuchtigkeit helfen. Sie beruht auf dem Temperaturvergleich an zwei Messpunkten. Der erste ist in der Regel ein Spiegel, der so lange abgekühlt wird, bis sich darauf Feuchtigkeit niederschlägt. Die Dampfsättigungskurve gibt an, wie hoch die absolute Luftfeuchte für diese Temperatur und damit im gemessenen Raum ist. Am zweiten Messpunkt wird über die tatsächliche Raumtemperatur die maximale Luftfeuchte bestimmt. Mithilfe der bekannten Formel errechnet sich sehr genau die relative Luftfeuchte.
  • Die zweite Art Messverfahren macht sich in unterschiedliche Weise die Hygroskopie zunutze, d. h. die Fähigkeit bestimmter biologischer und synthetischer Materialien Wasser mit der Umgebungsluft auszutauschen. Auf die Psychrometrie soll in diesem Artikel nicht eingegangen werden, da sie kaum noch eine Rolle spielt. Dafür um so ausführlicher auf die Funktionsweise mechanischer und elektrischer Hygrometer, weil sie gleichzeitig die Begründung dafür liefert, warum eine optimale Luftfeuchtigkeit so wichtig ist.
Luftfeuchtigkeit

Durch die Molekülbewegungen gibt die Materialoberfläche ständig Feuchtigkeit ab, je größer der Gehalt, desto mehr. Gleichzeitig fängt die Oberfläche Wassermoleküle aus der Luft ein. Schließlich pendelt sich ein Gleichgewicht ein, bei dem so viel Wasser entweicht, wie aufgenommen wird.

Der Feuchtegehalt im Material ist also abhängig von der Feuchtigkeit der Umgebungsluft. Die Menge der gespeicherten Feuchtigkeit beeinflusst wiederum die Materialeigenschaften. Haare verändern ihre Länge, Kunststoffe ihren elektrischen Widerstand. Darum erlaubt die Messung dieser Eigenschaften direkten Rückschluss auf die relative Luftfeuchte:

  1. Ist sie zu gering, muss mehr Wasser austreten als eindringen kann. Holz schwindet und reißt, unsere Schleimhäute trocknen aus.
  2. Ist sie dagegen zu hoch, ist mehr Wasser vorhanden als aufgenommen werden kann. Es entsteht ein feuchtes Milieu, der ideale Nährboden für Schimmel und andere Mikroorganismen.

Hygrometer: Luftfeuchtigkeit messen

Selbst wenn Sie keine wertvollen Antiquitäten besitzen, ist eine regelmäßige Kontrolle der Luftfeuchtigkeit sinnvoll. Haarhygrometer liefern sehr genaue Ergebnisse und sind unabhängig von einer Stromversorgung. Leider sind sie in der Handhabung anspruchsvoll. Minimale Schäden an der empfindlichen Mechanik machen sie unbrauchbar und ohne Nachjustierung weicht die Anzeige immer weiter vom realen Wert ab.

Wickeln Sie alle 1 bis 2 Monate das Hygrometer 10 Minuten in ein mit lauwarmen Wasser getränktes Tuch. Direkt nach dem Auswickeln sollte der Zeiger auf 100 % stehen.

Einfache elektrische Hygrometer haben zwar eine größere Toleranz als ein geeichtes Haarhygrometer, dafür sind die Messwerte auch ohne besondere Pflege hinreichend verlässlich. Mit steigendem Preis erhöht sich die Genauigkeit und verkürzt sich die Reaktionszeit.

Die Empfehlung für ein Hygrometer in den eigenen vier Wänden geht somit in Richtung eines elektrischen Gerätes der unteren bis mittleren Preisklasse. Der ideale Aufstellungsort liegt weder zu nah an einer Außenwand noch in der Nähe eines Fensters oder einer Tür.

Wer sich nicht gleich für jeden Raum ein Hygrometer anschaffen möchte, aber ein Smartphone besitzt, kann es ebenfalls als Wetterstation nützen. Eine neu entwickelte Wetter App ermöglicht die Messung der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und des Luftdrucks. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass die Hardware des Telefons die App unterstützt.

Die optimalen Werte für diverse Räumen finden Sie hier: Luftfeuchtigkeit Tabelle

Wie die Luftfeuchtigkeit messen?

  • Um die Raumluftfeuchtigkeit mit dem Hygrometer zu messen, stellen oder hängen (je nach Modell) Sie das Gerät im Raum auf.
  • Schon nach kurzer Zeit gibt Ihnen das Messgerät den entsprechenden Prozentwert aus.
  • Weil die relative Luftfeuchte stets temperaturabhängig ist, werden Sie in der Regel auf Ihrem Hygrometer ebenfalls den aktuellen Wert Ihrer Raumtemperatur finden.

Liegt der angezeigte Prozentwert zwischen 40 und 60 Prozent und beträgt Ihre Raumtemperatur circa 20 Grad, sind Sie auf der sicheren Seite. Es herrscht ein optimales Raumklima. Die Luft ist nicht zu trocken, das heißt Ihre Schleimhäute werden nicht gereizt. Und zu feucht ist, selbst wenn Sie das empfohlene Maximum von 60 Prozent erreichen, Ihre Raumluft ebenfalls nicht.

Da allerdings mit Zunahme der Temperatur auch die Wassermenge, die die Luft aufnehmen kann steigt, ist eine Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent bei sommerlichen 35 Grad nicht mehr angenehm, während sie bei 20 Grad Raumtemperatur das Wohlbehagen unterstützt. Um zu wissen, ob Sie beispielsweise durch das Öffnen der Fenster Ihre Raumfeuchte regulieren können, sollten Sie nicht nur in der Wohnung das Hygrometer benutzen, sondern auch außerhalb Messungen vornehmen.

Nur wenn Sie beide Werte vergleichen, wissen Sie, ob es möglich ist, durch Lüften das Raumklima zu verbessern. Kann nicht gelüftet werden, weil die Außenluft einen höheren oder niedrigeren Feuchtigkeitsgrad aufweist, als die Luft im Raum, müssen Sie zu anderen Methoden greifen. Wie Sie auch ohne Lüften die Luftfeuchte regulieren können erfahren Sie auf der Seite Luftfeuchtigkeit erhöhen beziehungsweise auf der Seite Luftfeuchtigkeit senken

Tipps zum Luftfeuchtigkeit messen

  • Stellen Sie Ihr Hygrometer nicht in Heizungsnähe auf und halten Sie auch zum Fenster Abstand. Schließlich möchten Sie einen reellen Wert erhalten, der nicht durch die Nähe des warmen Ofens oder der kalten Außenwand verfälscht wird.
  • Wenn Sie ohne Hygrometer Ihre Raumfeuchte messen möchten und auf die Sensoren im iPhone zurückgreifen wollen, legen Sie das Telefon am besten mitten im Zimmer auf den Tisch.
  • Vergessen Sie nicht, dass in Räumen, wie dem Wohnzimmer, dem Kinderzimmer und dem Arbeitszimmer (siehe Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen) die optimale Luftfeuchte niedriger ist, als im Bad oder in der Küche. Erhalten Sie überall den gleichen Wert, sollten Sie Ihr Gerät überprüfen. Besonders die empfindlichen Haarhygrometer müssen von Zeit zu Zeit nachjustiert werden.
  • Auch im Keller dürfen Sie, als dem kältesten Raum des Hauses, mit einer anderen Raumluftfeuchtigkeit rechnen, als in den Wohnräumen. Wenn Sie den Keller als Lebensmittellager benutzen, sollten Sie unbedingt regelmäßige Messungen vornehmen und darauf achten, dass 50 Prozent Luftfeuchte nicht überschritten werden. Im Weinkeller jedoch schadet eine Feuchtigkeit von 60 Prozent nicht.
  • Erschrecken Sie nicht, wenn die Luftfeuchtigkeit plötzlich 60 Prozent überschreitet. Messen Sie nach ein paar Stunden erneut und wiederholen Sie Ihre Messungen an mehreren Tagen. Erst wenn der Wert konstant erhöht ist, müssen Sie Gegenmaßnahmen ergreifen.
  • Ohne Gerät lässt sich zwar die relative Feuchte im Raum nicht feststellen, aber es gibt Anzeichen für eine erhöhte Raumluftfeuchtigkeit. Dazu gehören beispielsweise beschlagene Fenster, Eisblumen am Fenster oder Kleidung/Bettwäsche, die sich klamm anfühlt.